Archiv für July, 2000

Point-and-Click-Adventure

Saturday, July 1st, 2000

Aus der kleinen Java-Fingerübung ist inzwischen der Grundstein für ein richtiges Adventure-Spiel geworden. Leider kann man aber noch nicht all zu viel anstellen. Die Hauptfigur – Bernard aus “Day of the Tentacles” – marschiert zwar schon brav durch die Szenen, in diesem kleinen Beispiel kann er aber noch nichts aufheben, bewegen, sagen und so weiter. Aber nur Geduld, das kommt alles noch. Bald schon könnte Bernard abgelöst werden von eigenen Figuren. Das erste der beiden Szenenbilder ist übrigens schon selbst gezeichnet, das zweite ist aus dem oben genannten Adventure-Game von Lucas Arts – wie man zu diesem gelangt, dass müsst ihr selbst herausfinden!

Anleitung: Ein Mausklick auf einen Bereich in dem sich die Hauptfigur bewegen darf, und sie bewegt sich dort hin. Bewegt man die Maus über besondere Bereiche, so verändert sich der Mauscursor zu einer Hand und in der Statusleiste erscheint eine Anmerkung.

Sollte das Applet nach dem Ladevorgang nur langsam laufen, so solltest du beim Browser für diese Seite auf “offline arbeiten” gehen. Aus einem mir unerfindlichen Grund versucht das Applet permanent die Class-Files nachzuladen solange man online ist.

Neu: Geh mal in den Geräteschuppen, ich habe eine neue Szene eingebaut! Szenen die größer als das Appletfenster sind werden gescrollt.

Zum Öffnen anklicken.

Bernard hab’ ich aus dem Adventure “Day of the Tentacles” von Lucas Arts geklaut. Tut mir leid, aber ich habe ein Test-Dummy für mein Programm gebraucht. Also habe ich meinen Lieblings-Charakter aus meinem Lieblingsadventure genommen. Für die heutige Zeit wirkt er allerdings ein wenig “pixelig”. In Szene zwei seht ihr schon einen ersten Versuch für eine eigene Figur. Sie ist aber leider noch nicht animiert – sie hat ja noch nicht einmal einen Namen! Für Vorschläge bin ich dankbar.

Spurbreite

Saturday, July 1st, 2000

Den folgenden Text habe ich per e-Mail erhalten. Daher habe ich auch keine Ahnung von wem er ursprünglich stammt. Fest steht jedoch, dass dies die Art von Geschichte ist, wie ich sie selbst gerne weitererzähle. Sollte ein Copyright drauf sein – tschuldigung! Ich hab’ kein kommerzielles Interesse daran.

Ein Grund, warum nicht schon längst alle Programme mit vierstelligen Jahreszahlen rechnen und das Jahr-2000-Problem damit existent ist, ist der starke Einfluss, den bestehende Programme jeweils auf neu zu erstellende Programme haben. Neue Programme werden z.B. meist auf vielfältige Weise mit bereits bestehenden verknüpft, über Daten-Import und -Export, Schnittstellen usw. Wenn Programme Daten untereinander austauschen, verstehen sie sich wesentlich besser, wenn sie alle das Jahr mit gleich vielen Stellen verarbeiten. Und wenn man schon 10 Programme hat, die mit zwei Stellen funktionieren, baut man eben das 11. auch wieder so. Häufig wurden die zweistelligen Jahreszahlen auch formal in Standards und Spezifikationen festgeschrieben, die zu missachten sich kein Programmierer leisten konnte, ganz abgesehen davon, dass sonst sein Programm mit Tausenden von Programmen nicht zusammengearbeitet hätte, die nach diesen Spezifikationen bereits erstellt worden waren.

Kürzlich hat ein gewisser Kreskin in einem Posting in comp.software.year-2000 ein Beispiel aus der Weltgeschichte gebracht, das sich wunderbar eignet, um auch Leuten, die nicht mit Informatik vertraut sind, die unglaubliche Trägheit klarzumachen, die solchen Dingen innewohnt:

Spurbreite 

Die Spurbreite von Eisenbahnen in den USA und in Kanada (der Abstand zwischen den Gleisen) ist 4 Fuß 8.5 Zoll. Dies ist auch der Spurabstand hierzulande mit 1435mm. Das ist eine außerordentlich krumme Zahl. Warum wurde gerade diese Spurbreite verwendet? Weil Eisenbahnen so in England gebaut worden waren, und die Eisenbahnen der USA wurden von englischen Auswanderern gebaut. Warum hatten die Engländer sie so gebaut? Weil die ersten Eisenbahnlinien von denselben Leuten gebaut worden waren, die im Vor-Eisenbahn-Zeitalter die Straßenbahnlinien gebaut hatten, mit eben jener Spurbreite. Und warum hatten die Straßenbahn-Leute jene Spurbreite benutzt? Weil sie dieselben Werkbänke und Werkzeuge verwendet hatten wie beim Bauen von normalen Wagen, welche auch diesen Radabstand hatten. Nun gut. Aber warum hatten die Wagen genau diesen Radabstand? Weil die Räder der Wagen sonst zu Bruch gegangen wären beim Fahren auf gewissen Fernstraßen in England, weil diese Straßen tief eingefahrene Rillen in diesem Abstand hatten. Wer hatte diese Straßen gebaut, die so alt waren, dass die Wagen tiefe Furchen gefahren hatten? Die ersten Fernstraßen in England, wie überall in ganz Europa, waren vom kaiserlichen Rom für seine Legionen  gebaut worden und immer noch in Gebrauch. Und die Furchen in den Straßen? Die ursprünglichen Furchen, auf die jedermann Rücksicht nehmen musste, aus Angst, sonst die Wagenräder zu Bruch zu fahren, stammten von römischen Streitwägen, von Streitwägen, die überall im Römischen Reich gleich waren punkto Radabstand. Die Standard-Eisenbahn-Spurbreite in den USA von 4 Fuß 8.5 Zoll ist also abgeleitet von der ursprünglichen Spezifikation für römische Streitwagen. Spezifikation und Bürokratien sind unsterblich. Wenn Sie also das nächste Mal irgendeine Spezifikation vorgelegt bekommen und sich wundern, welcher Pferde-Arsch wohl darauf gekommen ist, könnten Sie genau ins Schwarze treffen, weil nämlich der römische Streitwagen genau so breit gemacht worden war, dass er Platz bot für zwei Hintern von Armee-Pferden. Damit haben wir endlich die Antwort auf die ursprüngliche Frage. Es gibt noch eine interessante Fortsetzung dieser Geschichte mit Eisenbahn-Spurabständen und Pferde-Hintern. Wenn man sich den Space Shuttle ansieht, wie er auf dem Startplatz steht, bemerkt man zwei Hilfsraketen an den Seiten des großen Haupt-Treibstofftanks. Dies sind Feststoffraketen, “solid rocket boosters”, kurz SRB. Diese SRB werden von der Firma Thiokol in einer Fabrik in Utah hergestellt. Die Ingenieure, welche die SRB konzipiert hatten, hätten sich diese eigentlich etwas dicker gewünscht. Aber die SRB mussten per Eisenbahn von der Fabrik zum Startplatz transportiert werden. Die entsprechende Eisenbahnlinie verlief durch einen Tunnel in den Bergen, und die SRB mussten natürlich durch diesen Tunnel passen. Der Tunnel ist ein wenig breiter als die Schienen, und die Schienen haben etwa den Abstand von zwei Pferde-Hintern  nebeneinander. So kommt es, dass ein wichtiges Feature eines der modernsten Transportsysteme der Welt vor zweitausend Jahren festgelegt wurde mit Hilfe der Breite des Hinterns eines Pferdes.